vom 28.07.2010:
Das Freibad Mammendorf, die Freizeitattraktion im westlichen Landkreis Fürstenfeldbruck, wird heuer 25 Jahre jung. Der Badbetrieb startete am 23.05.1985; eingeweiht wurde das Bad dann offiziell am 30.07.1985.
Im August und September des Jahres 1984 gab es bereits ein Probeschwimmen. Fast wie bei Karl Valentin und seiner neuen Verkehrsordnung, die am Montag nur Radfahrer, Mittwoch nur Droschken, am Samstag nur Bierfuhrwerke, … zulassen wollte, ging es dabei im Testbetrieb zu: Stundenweise wurden u. a. Vereinsmitglieder der Wasserratten Fürstenfeldbruck, Kreis- und Gemeinderäte, Kindergruppen … als Schwimmbadtester zugelassen. An fünf Tagen durften bis zu je 300 Bürgerinnen und Bürger aus Mammendorf dann das neue Freibad beschnuppern. Das Bad erwies sich aber sofort als Besuchermagnet und 800 Badegäste drängelten sich primär im Beckenbereich, denn die Außenanlagen waren noch gesperrt und der Grassamen keimte erst. Unerlaubterweise sollen sich bereits damals auch Bürgerinnen und Bürger aus anderen Gemeinden unter die Gäste gemischt haben, um das nagelneue Bad zu bestaunen.
Dabei schwebte nicht nur über dem ursprünglich bereits für 1984 angestrebten Fertigstellungstermin angesichts der langen Kälte- und Schlechtwetterperiode im Jahr 1985 ein großes Fragezeichen. Lange Zeit hatte es nicht danach ausgesehen, als ob aus den vielen Initiativen ein richtig attraktives Freibad wachsen würde. So sammelte Bernhard Speck, unterstützt durch Albert Well, Sepp Kellerer und Edi Sedlmeir, bereits Anfang der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts viele Mitstreiter um sich, um Strukturverbesserungen im westlichen Landkreis auf den Weg zu bringen. Er gründete hierzu die Interessenvereinigung zur Förderung der Sport- und Erholungsstätten e. V. im westlichen Landkreis Fürstenfeldbruck mit Sitz in Hattenhofen. Der Landkreis unter dem damaligen Landrat Gottfried Grimm sprang auf und riss – im Wege einer freundlichen Übernahme und auf Antrag der Gemeinden – dann die Zügel für das Vorhaben im Juni 1977 an sich. Ein erster Wettbewerb folgte, aber leider ohne überzeugendes Ergebnis.
Im Jahr 1979 hat der Landkreis dann das Architektenteam Schmidt-Bertermann und Teutsch beauftragt, um das Traumbad zu planen und verschiedene Möglichkeiten zur Energieversorgung zu untersuchen. Vieles davon wurde aber schnell wieder versenkt .
Heftige politische Auseinandersetzungen folgten, besonders FDP und SPD standen dem Projekt ablehnend gegenüber und wünschten zunächst lediglich einen kühlen Badesee. Auch die Regierung von Oberbayern als Zuschussgeber beäugte das Projekt kritisch; es wurde also kräftig abgespeckt. Übrig blieben im Prinzip dann zwei Schwimmbecken und die dafür notwendige Badtechnik.
Mit dem Bau war bereits begonnen, als ein nochmaliges Umdenken einsetzte. Die Schrumpflösung schien arg magersüchtig auszufallen, beim Kampf um die Wirtschaftlichkeit war die Attraktivität verloren gegangen. Die ursprüngliche „Badewannenlösung“ wurde überarbeitet, viele Attraktionen, darunter Strömungskanal, Wasserpilz, Rutschen und ein architektonisch liebevoll gestalteter Kleinkinderbereich wurden eingeplant. Zusätzliche Personalwohnungen folgten im Jahr 1986.
Allerdings brachen damit die ursprünglichen Emotionen in der zwischenzeitlich befriedeten Kreistagsfamilie wieder auf. Im Oktober 1984 hat dann eine – wenn auch knappe – Kreistagsmehrheit beschlossen, dem Bad eine 173-Meter-lange, europarekordverdächtige Wasserrutsche zu spendieren; vielleicht auch überwältigt und beeindruckt vom Besucherstrom im Testzeitraum. Dass sich die neue Wasserrutsche im Nachhinein „nur“ als längste erdverlegte Wasserrutsche Europas entpuppte, tat der Freude aber keinen Abbruch. Es folgte dann der 1991 fertig gestellte neue Gastronomiebereich sowie Toiletten fürs Freibad und für den Badesee: denn zusätzlich zum Freibad war zwischenzeitlich auch der Badesee in Zusammenarbeit mit dem Erholungsflächenverein ausgebaut worden.
In 25 Jahren haben fast 2,5 Mio Badegäste Erfrischung und Erholung im Freibad Mammendorf gesucht. Über 125.000 Übernachtungsgäste haben am benachbarten Jugendzeltplatz, der 1984 eingeweiht wurde, übernachtet. Traumhafte Sommer wie im Jahr 2003 bescherten dem Bad fast
140 000 Besucher; bei schlechtem Wetter kann es auch nur die Hälfte sein.
Im Sommer 2010 ist das Bad wieder auf einem guten Kurs. Hitze und Sonne pur im Juli 2010 lockten Schwimmer und Nichtschwimmer, Sportler und Spaßsuchende in Scharen ins Freibad Mammendorf. Am Sonntag, den 11.07.2010 wurde ein neuer, seit vielen Jahren nicht mehr erreichter Top-Wert von fast 4400 Besuchern erreicht. Im Gegensatz zum Probebetrieb im Jahr 1984 findet heute auch jeder in Spitzenzeiten sein schattiges oder sonniges Plätzchen. In den 25 Jahren ist dort ein grünes, idyllisches Eldorado herangewachsen.
Auch die Wellen und Strudel, in die das Bad Anfang 2010 angesichts der finanziellen Lage des Landkreises zu geraten schien, haben sich geglättet und aufgelöst. Wie lange, wird sich zeigen. Denn egal, ob die Badesaison wetterbedingt gut oder schlecht ausfällt: Ein Sommerfreibad ist ohne mehr oder minder großes Defizit nicht zu betreiben. Viele Kanäle wurden daher im Jahr 2010 ausgespäht, um das Bad nicht austrocknen zu lassen. Ein ganz wesentlicher Rettungsring ist dabei die finanzielle Beteiligung der Gemeinde Mammendorf in Höhe von 50.000 € ab dem Jahr 2011 beim Freibad und die Übernahme des Winterdienstes.
Wenn die Badegäste ihrem Freibad Mammendorf weiter so die Treue halten und der Landkreis nicht völlig in Sozialkosten ertrinkt, wird der Rettungsring auch halten. Und das wird vielleicht auch die Hoffnung auf die im Jahr 2010 geplante, aber verschobene Sanierung des Sanitär- und Umkleidebereiches und eine Komfortverbesserung bei schlechtem Wetter beleben. Bereits in seiner Einweihungsrede im Jahr 1985 hoffte der damalige Landrat und Mentor des Bades, Gottfried Grimm auf eine Nachbesserung bei den etwas zugig geratenen Umkleiden und Duschen.
Moderne Badtechnik, beheizte Becken, gepflegte Anlagen und qualifiziertes freundliches Personal
wird das Freibad Mammendorf seinen Besucherinnen und Besuchern auch im Jahr 2010 bieten. Gerade für Familien mit Kindern stellt das Freibad Mammendorf zudem eine sichere, entspannte Alternative zu den in der Regel unbewachten Badeseen dar. Und auch die Attraktivität der großen Wasserrutsche ist ungebrochen, wie das alljährliche traditionelle Wettrutschen wieder bewiesen hat. Und so wird das Freibad hoffentlich auch künftig zahlreiche Gäste aus der Gemeinde Mammendorf, aus dem Landkreis und darüber hinaus anlocken.
Die Geschichte des Freibades Mammendorf zeigt: Investitionen in kommunale Bäder kosten viel Geld, aber viele Bürgerinnen und Bürger profitieren davon.
Freibad Mammendorf: Zahlen und Fakten




