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"Energiewende im Landkreis Fürstenfeldbruck – eine Zwischenbilanz" am 14. Mai 2018 um 19 Uhr im Landratsamt Fürstenfeldbruck

15.05.2018

Wie ist es um die Energiewende im Landkreis Fürstenfeldbruck bestellt? Dazu gibt es eine aktuelle Zwischenbilanz, die am 14. Mai im Landratsamt Fürstenfeldbruck der Öffentlichkeit präsentiert worden ist.

Die Energie- und CO2-Bilanz für den Landkreis Fürstenfeldbruck wurde 2017/2018 von Dipl.-Ing. Martin Zerta (Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH) als Fortschreibung der CO2-Bilanzierung im Rahmen des Klimaschutzkonzepts 2012 erstellt. Sie vergleicht die damalige Datenbasis 2010 mit Verbrauchswerten bzw. statistischen Daten aus dem Jahr 2015 hinsichtlich ein-gesetzter Energieträger und verbrauchter Energiemengen, unterteilt auf die Bereiche Haushalte, Gewerbe/Handel/Dienstleistungen/Industrie und Verkehr.
Neben dem Landkreis haben sich an der Erstellung der CO2-Bilanz folgende 14 Kommunen so-wohl finanziell als auch inhaltlich beteiligt: Alling, Althegnenberg, Eichenau, Grafrath, Gröbenzell, Jesenwang, Maisach, Mammendorf, Mittelstetten, Moorenweis, Oberschweinbach, Olching, Puchheim und Schöngeising. Die restlichen Landkreiskommunen unterstützten das Projekt ebenfalls durch das Zurverfügungstellen von Daten. Darüber hinaus waren unter der Federführung des Klimaschutzmanagements als lokale Akteure die Stabsstelle ÖPNV und die Kreisentwicklung des Landratsamtes, dazu die jeweiligen Energieversorger sowie der Verein Ziel 21 e.V. mit seinem Arbeitskreis Kommunale Energiewende in den Prozess eingebunden.
Die Bilanz dokumentiert für den gesamten Landkreis Fürstenfeldbruck, aber auch individuell für jede beteiligte Kommune die aufbereiteten Energie- und CO2-Daten und benennt in einem umfang-reichen Bericht konkrete Handlungsansätze und Maßnahmenempfehlungen.
Im Ergebnis liefert die CO2-Bilanz auf Datenbasis 2015 folgende Kernaussagen:
a) Die spezifischen CO2-Emissionen blieben mit 6,9 Tonnen CO2 pro Einwohner auf dem Niveau des Jahres 2010.
b) Die absoluten CO2-Emissionen stiegen gegenüber dem Vergleichsjahr 2010 um +4,7% auf knapp 1,5 Mio. Tonnen CO2.
c) Im Jahr 2015 wurde mit ca. 170 GWh um ca. 90 GWh mehr Strom aus erneuerbaren Ener-gien bereitgestellt als im Jahr 2010 (ca. 80 GWh). Der größte Anteil entfiel auf Photovoltaikanlagen (PV). Sowohl bei der Stromerzeugung aus PV als auch aus Biogas, konnte die Stromerzeugung in den fünf Jahren mehr als verdoppelt werden. Aus Erneuerbaren-Energien-Anlagen im Landkreis Fürstenfeldbruck (PV, Windkraft, Wasserkraft) konnten somit bilanziell ca. 20% des Strombedarfs gedeckt werden. Unter Berücksichtigung der Stromerzeugung von Biogas konnten sogar ca. 30% des regionalen Stromverbrauchs gedeckt werden. Die Ursachen für den ausgebliebenen CO2-Rückgang sind vor allem im erheblichen Bevölkerungszuwachs
und dem damit einhergehenden erhöhten Verkehrsaufkommen der letzten Jahre zu
sehen. Die Bemühungen, CO2-Emissionen erfolgreich zu reduzieren, hängen aber auch entscheidend von überregionalen Rahmenbedingungen wie gesetzlichen Hemmnissen oder fehlenden Förderkulissen ab.
Wie bereits am Ergebnis der CO2-Bilanz 2010 ablesbar, zeigen auch die aktuellen Auswertungen
und Trendfortschreibungen, dass das ambitionierte Ziel der Energieresolution 2000, die Energieversorgung des Landkreises bis 2030 auf 100% erneuerbare Energien umzustellen, kaum zu erreichen ist. Gleiches gilt auch für das Klimaschutzziel des Bundes, die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland bis 2030 gegenüber 1990 um 55% zu senken. Bezogen auf den Landkreis Fürstenfeldbruck müssten demnach bis 2030 die spezifischen CO2-Emissionen um durchschnittlich mindestens 40% reduziert werden. Dies entspräche einer Minderung des Landkreisdurchschnitts von 6,9 t CO2 pro Einwohner (2015) auf unter 4,1 t (2030).
In der weiteren Diskussion sollte auch die Langfriststrategie der Bundesregierung, bis 2050 in
Deutschland 95% der Treibhausgas-Emissionen zu mindern (sog. Klimaschutzplan 2050), berücksichtigt werden: Demzufolge dürften ab 2050 keine energiebedingten CO2-Emissionen mehr aus
der Stromversorgung, der Wärmebereitstellung und dem Verkehr emittiert werden.
In den kommenden Jahren müssen daher folgende Handlungsfelder im Fokus stehen:
  • Strategische/kommunale Planung (u. a. Weiterentwicklung des Nahverkehrsplans und Prüfung des Modal Split, Stärkung interkommunaler Kooperationen beim Ausbau der Infrastruktur und alternativer Mobilitätskonzepte)
  • Mobilität (u. a. klimaeffiziente Stärkung/Beschleunigung des ÖPNV, Sicherung attraktiver S-Bahn-Verbindungen, Integration von Car-Sharing/Bike-Sharing)
  • Wärme (u. a. Wärmebedarfsplanung, Nachverdichtung Fernwärme, Ausbau der Kraftwärmekopplung (KWK), Nachverdichtung und Ausbau Gasnetz)
  • Strom (u. a. Stärkung der EE-Potentiale Wind, Sonne und Geothermie, KWK-Ausbau)
  • Weitere Klimaschutzmaßnahmen (u. a. Förderung von Verhaltensänderungen, dem sparsamen Umgang mit Ressourcen, regionalen Kreisläufen etc.)
Die Umstellung der Energieversorgung von fossilen auf erneuerbare Energien bis 2050 muss Teil eines gesamtgesellschaftlichen Wertewandels sein und bedarf weiterer Weichenstellungen auf internationaler und nationaler Ebene. Es ist nicht nur auf Bundesebene schwierig, geeignete mittelfristige Zwischenziele zur CO2-Reduktion zu formulieren, die realistisch zu erreichen sind. Auch das bisherige Landkreisziel sollte diskutiert und aufgrund der vorliegenden Zahlen entsprechend korrigiert werden. Weitere Informationen finden sich auf der Homepage des Landratsamtes, unter www.lra-ffb.de. Anlage 1: CO2 Bilanz Landkreis Fürstenfeldbruck 1 Anlage 2: CO2 Bilanz Landkreis Fürstenfeldbruck 2 Anlage 3: CO2 Bilanz Landkreis Fürstenfeldbruck Kommunen Zurück
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