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Pressemitteilungen

Anlässlich 100 Jahre Kreisfachberatung in Bayern: Die Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege Fürstenfeldbruck informiert

27.02.2019

Horst Stegmann, Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege

Baumschnittkurs in Jesenwang

Philosophie des Obstgärtners - Der Winterschnitt

„Dreiastkrone“, „Pyramidenkrone“, „Hohlkrone“, „Naturgemäßer Schnitt“, „Öschbergschnitt“, „Fruchtholzschnitt“, „Ableiten“, „Scheitelspunktförderung“, usw…
Obstgärtner können stundenlang über den richtigen Schnitt der Obstbäume streiten. Dabei ist das Fachvokabular für Laien genauso verstörend wie die Leidenschaft, mit der die jeweiligen, manch-mal ins Philosophische gehenden Ansichten vertreten werden. Als ginge es um das, was „…die Welt im Innersten zusammenhält…“. An dieser Frage hat sich aber schon Goethes Faust die Zähne ausgebissen.
Vielleicht liegt es daran, dass sich die Gärtner durch ihr Arbeiten mit der Natur derem Wesen ver-bundener fühlen als manch anderer Erdenbürger. Aber auch die Experten für den Obstbaumschnitt werden nie eine allgemein gültige Antwort finden!
Dazu ist die Natur und auch jeder einzelne Baum, sei er auch von der gleichen Art, zu variabel. So reagiert schon jede Apfelsorte unterschiedlich auf Schnittmaßnahmen. Um bei Goethe zu bleiben: „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum.“ So heißt letztendlich auch hier das Motto: Grundlagen lernen und Erfahrungen sammeln.


Unbestritten ist: Obstbäume, von denen Gesundheit, ein regelmäßiger Ertrag, reiche Ernte und Langlebigkeit erwartet wird, müssen regelmäßig geschnitten werden. Das ist neben der richtigen Sorten- und Standortwahl der wichtigste Faktor. Dabei sollte im Hausgarten und in der freien Landschaft nach der „naturgemäßen Methode“ vorgegangen werden. Es werden natürliche Wuchsgesetze beachtet und der Baum bleibt in seiner Gestalt weitgehend erhalten.

Unbestritten ist auch, dass jetzt die beste Zeit für den Winterschnitt ist. Früher begann man oft zu früh mit den Schnittarbeiten. Das waren aber rein praktische Gründe: Man hatte im Januar viel Zeit, während im März schon andere Gartentätigkeiten und Planungen laufen müssen. Nun weiß man aus wissenschaftlichen Untersuchungen, dass die Wundheilung besser verläuft, wenn der Schnittzeitpunkt näher an die Vegetationszeit rückt. Optimal verläuft die Heilung der Schnittwunden in der Regel im April. Dann allerdings sind die Knospen bereits so weit entwickelt, dass man sich beim „Schnitt aufs Auge“ schwer tut. Also ist der Zeitraum von Mitte Februar bis Ende März ein guter Kompromiss. Das gilt uneingeschränkt für Kernobst (Apfel, Birne, Quitte), wohingegen bei Steinobst (Kirschen, Zwetschgen) ein späterer Schnitt bis in die Blüte hinein oder auch im Sommer von Vorteil ist.


Generell ist es bei allen Baumobstarten günstig, den Winterschnitt durch einen Sommerschnitt ab Anfang August zu ergänzen. Dem nicht genug, gibt es auch noch den für empfindsame Gärtner-seelen schmerzhaften, aber sinnvollen „Sommerriss“, bei dem noch krautige, nicht verholzte schwache Triebe zwischen Daumen und Zeigefinger am Ansatz geknickt und abgerissen werden. Vorteil: Die sogenannten „schlafenden Augen“ treiben nicht aus und damit ist die Gefahr eines unerwünschten Nachtriebs an dieser Stelle vermindert. Die unschön ausgefranste Wunde heilt im Sommer schnell aus.

Es ist ausgesprochen mutig, seinem Obstbaum ohne entsprechende Vorbildung und Erfahrung mit Schere und Säge zu Leibe zu rücken. Die Natur verzeiht vieles, aber doch nicht alles! Deswegen blutet dem geschulten Obstgärtner oftmals das Herz, wenn er mit dem Fahrrad durch die Siedlungen fährt. Manche traurige Baumgestalt hängt da geschunden über den Gartenzaun. Der beste Wille nutzt oft wenig, wenn er nicht fachlich unterfüttert ist. Ein gutes, reich bebildertes Buch ist nützlich, ersetzt aber nicht die praktische Anschauung.


Deswegen ist dringend anzuraten, vor der Baumfrisur einen Obstbaumschnittkurs in Theorie und Praxis zu besuchen. Entsprechende Kurse werden unter anderem von Volkshochschulen und Gartenbauvereinen angeboten.


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