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Pressemitteilungen
Zwischenbilanz über die Corona-Pandemie im Klinikum Fürstenfeldbruck
Zogen ein Zwischenfazit über die Bewältigung der Corona-Krise in der Kreisklinik Fürstenfeldbruck (von links): Wilhelm Huber (Pflegedirektor Kreisklinik Fürstenfeldbruck), PD Dr. med Florian Weis (Ärztlicher Direktor Kreisklinik Fürstenfeldbruck), Alfons Groitl (Vorstand Kreisklinik Fürstenfeldbruck), Landrat Thomas Karmasin.
Derzeit (Stand 07.07.2020) befinden sich keine mit dem Coronavirus infizierte Patienten in der Kreisklinik Fürstenfeldbruck in Behandlung. Seit rund vier Monaten steht der Klinikbetrieb unter dem Zeichen von Corona. Seit März mussten viele Abläufe verändert und immer wieder angepasst werden. Ziel war es, die Rahmenbedingungen für die Versorgung der zu erwartenden COVID-19-Erkrankten so zu gestalten, dass einerseits die Aufnahmekapazitäten möglichst ausreichen und andererseits keine Ausbreitung des Virus in der Klinik stattfindet. Gleichzeitig sollte weiterhin für alle Patientinnen und Patienten, die in dieser Phase als Notfall aufgenommen wurden, sowie für das Personal ein sicherer Betrieb gewährleistet werden.
Die Zahlen im Überblick
Der Höhepunkt der Fälle war zwischen Ende März und Ende April zu verzeichnen. Zwischen dem 13. März und dem 30. Juni wurden insgesamt 96 Patienten mit COVID-19-Erkrankung stationär behandelt. 17 davon, also 17,7 %, mussten auf der Intensivstation versorgt werden. 16 erlagen der Krankheit, 7 davon befanden sich in intensivmedizinischer Betreuung.
Diese Zahlen decken sich mit der globalen Epidemiologie der Erkrankung, der zufolge ca. 12 bis 20 % der positiv getesteten Patienten stationär behandelt werden müssen (in FFB 10,4 % bei 923 positiv getesteten Personen im Landkreis, Stand 30.6.2020). Von diesen benötigen ca. 25 % eine Intensivtherapie (bei uns ca. 18 %). Die Sterblichkeit der Intensivpatienten mit COVID-19 Erkran-kung ist nach einer aktuellen Metaanalyse, die Studien aus allen Erdteilen untersucht hat, im Ver-lauf der Pandemie von über 50 % auf 41 % gefallen. Die Sterblichkeit der er Intensivpatienten in Fürstenfeldbruck betrug 41 %. Die unter Intensivtherapie verstorbenen Patienten hatten ein medi-anes Alter von 77 Jahren und wiesen durchschnittlich 4 relevante Vorerkrankungen auf, was sich wiederum mit den Zahlen der Literatur deckt.
| Fürstenfeldbruck (n/%) Stand 30.06.2020 | Literatur % | |
| Positive Getestete | 923 (100) | 100 |
| Stationär Behandelte | 96 (10,4) | 20 |
| Intensivmedizinisch Behandelte | 17 (18) | 25 |
| Mechanisch Beatmete * | 9 | -- |
| Verstorbene 16 | 16 (1,7) | 0,5-3 |
| Auf Intensivstation Verstorbene | 7 (41) | 40-62 |
*Unter „mechanischer Beatmung“ versteht man die Versorgung über einen Beatmungsschlauch.
Vielfältige Maßnahmen wurden ergriffen
Glücklicherweise kam es trotz des großen Patientenaufkommens nie zu dramatischen Engpässen, sodass die Klinik über den gesamten Zeitraum hinweg alle Patienten bestmöglich versorgen konnte.
Dies ist unter anderem mit folgenden Maßnahmen gelungen:
- Zu Beginn musste das Haus auf Anweisung freigeräumt werden. Es durften nur noch Not-fälle behandelt werden, bei denen eine Behandlung medizinisch notwendig war. Planbare Eingriffe wurden abgesagt und bis auf Weiteres verschoben.
- Die Kapazitäten im Bereich der Intensivstation, der Zentralen Notaufnahme und von be-stimmten Stationen wurden durch Personal aus dem OP- und Anästhesiebereich verstärkt. Zudem wurde eine Station geschlossen und die Pflegekräfte zur Verstärkung auf andere Stationen verteilt. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden im Rahmen eines strukturierten Programms in die Aufgaben und Abläufe eingearbeitet.
- COVID-19-Fälle und Verdachtsfälle wurden von den Notfallpatienten getrennt versorgt und untergebracht.
- Vor der Notaufnahme wurden ein Sanitäts-Container und ein beheizbares Zelt aufgestellt, in dem Personen, die aufgenommen werden sollten, ein erstes Screening (eine sog. „Vortriage“) durchliefen. Ziel war eine schnelle und effektive Patientenlenkung. Dieses Zelt war von 27. März bis 26. Juni in Betrieb.
- Um Infektionen beim Personal zu vermeiden, wurde dieses – getrennt nach Berufsgruppen – speziell betreut, geschult und überprüft. Dafür wurden unter anderem Videos über das hausinterne Intranet zur Verfügung gestellt.
- Die Ausstattung mit Schutzkleidung und Masken war insbesondere in der Anfangsphase eine Herausforderung, allerdings gab es nie einen wirklichen Mangel. Nun wird die Vorratshaltung von Schutzkleidung, notwendigen Medikamenten und Medizin-produkten täglich überwacht und die Ausgabe zentral gesteuert.
- Ein Corona-Krisenstab, der sich täglich getroffen hat, wurde gegründet. Er besteht aus der Krankenhausbetriebsleitung (Vorstand, Kaufmännischer Direktor, Ärztlicher Direktor und Pflegedirektor), die um den stellvertretenden Ärztlichen Direktor und zwei Hygienebeauf-tragte Ärzte erweitert wurde.
- Ebenso wurde ein Kernteam eingerichtet, das den Corona-Krisenstab ergänzt und wichtige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfasst, und sich einmal wöchentlich getroffen hat.
- Oberarzt Dr. Hermann Schubert, der ständig als Hygienebeauftragter Arzt fungiert und Mitglied des Corona-Krisenstabs ist, wurde zum Pandemiebeauftragten ernannt.
- Die neuen Regelungen für Besuche erforderten vom Personal deutliche Mehrarbeit, da alle Personen dokumentiert und untersucht werden mussten. Zudem wurde ein Sicherheits-dienst am Haupteingang und am Eingang zur Zentralen Notaufnahme eingesetzt, um die Vorgaben zu kontrollieren und durchzusetzen.
- Täglich werden alle Mitarbeitenden über das Intranet informiert, wie viele COVID-19-Patienten im Hause sind. In der Hochphase wurde diese Information zweimal täglich verteilt, aktuell einmal täglich.
- Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nach den Vorgaben des RKI abgestrichen wer-den mussten, wurde eine eigene „Abstrich- und Betreuungsambulanz“ eingerichtet. Dort wurden sie abgestrichen, beraten und auch mehrmals gesehen.
Die „neue Normalität“
Nach leichten Lockerungen bei den Vorgaben befindet sich die Klinik nun auf dem Weg zu einer „neuen Normalität“ – neue Normalität, weil immer noch mit Covid-19-Patienten gerechnet werden muss. Daher wird bei allen Patienten, die einer stationären Behandlung bedürfen, 2 bis 5 Tage vor der Aufnahme mit einem standardisierten Fragebogen und durch Temperaturmessung das Risiko für eine COVID-19 Erkrankung evaluiert. Zusätzlich wird ein Abstrich auf SARS-CoV-2 abgenommen. Erst wenn dieser, ebenso wie die Risikoevaluation am Aufnahmetag, negativ aus-fällt, wird der Patient der stationären Behandlung zugeführt.
Dasselbe Prozedere gilt auch bei ungeplanten Aufnahmen, Notfällen usw.: Diese Patienten werden bis zum Vorliegen des Abstrichergebnisses auf speziellen „Aufnahmestationen“ interdisziplinär behandelt.
Die Klinik ist durch ihr Hygiene- und Schutzkonzept sehr gut aufgestellt. Es ermöglicht ihr, mit großem Aufwand einen nahezu normalen Klinikbetrieb unter möglichst sicheren Bedingungen für Patienten und Mitarbeiter zu gewährleisten. Aufgeschobene Behandlungen und Operationen können nun sukzessive nachgeholt werden. Auch Vorsorgetermine jeglicher Art sind wieder möglich.
Wirtschaftliche Auswirkungen der Pandemie auf das Klinikum Fürstenfeldbruck
Während der Pandemie hat man den Kliniken viel zugemutet. In der Hochphase, die schrecklichen Bilder aus Italien vor Augen, hat man die Krankenhäuser, aufgefordert und rechtlich ver-pflichtet, maximale Vorkehrungen zu treffen. Es mussten vor allem Stationen leergeräumt und Intensivkapazitäten geschaffen werden. Es durften nur noch medizinische Notfälle behandelt werden. Dies hat dazu geführt, dass in den letzten drei Monaten viele Betten leer geblieben sind.
Die Bundespolitik versucht, diese Leerstände mit Ausgleichszahlungen zu kompensieren. Dies gelingt jedoch nicht, da die Berechnung nur einen Teil der üblichen Erlöse abdeckt. Zudem gilt es künftig im Rahmen eines Schutzkonzepts neue Prozesse einzuführen, die zu weniger belegbaren Betten und personellem Mehraufwand führen.
Auf einen einfachen Nenner gebracht bedeutet die Entwicklung mehr Kosten bei weniger Erlösen. Ein ausgeglichenes Jahresergebnis für das Wirtschaftsjahr 2020 kann daher nicht erwartet werden.
Bildunterschrift

